Mercedes-Benz

Aus der Stadt und übers Meer.

31. Oktober 2019

Die aromareichen Zutaten von Hannover Gin wachsen auf einem Dachgarten, im Stadtgrün und auf Brachflächen. Aber auch sonst geht die Spirituosen-Manufaktur eigene Wege. Ihr prämierter Gin wurde sogar mit einem Segelschiff über den Atlantik geschickt.

Hannover Gin, das hört sich nach einer dieser neuen Manufakturen an, wo in Hinterhöfen und ehemaligen Gewerbeanlagen mit viel Leidenschaft an alten Rezepturen getüftelt wird. Stimmt ja auch – 2011, als sich die Gin-Begeisterung ihrem Höhepunkt näherte oder ihn vielleicht auch schon hinter sich hatte, ging Joerma Biernath mit seinem Gin-Projekt an den Start. Natürlich wollte auch er der Spirituosenwelt beweisen, dass Handgemachtes nicht nur gut sein kann, sondern auch besser als das, was von den großen Destillerien kommt. Trotzdem wäre die Geschichte so nicht richtig erzählt.

Zumindest dann nicht, wenn man sich mit Biernath unterhält. Der spricht statt vom Gin erst einmal von seinem Beruf als Gärtner und Gartendesigner: „Ich liebe es, Gärten zu planen, egal ob auf Sylt, in Potsdam oder in München, das werde ich bis ans Ende meines Lebens machen.“ Um die Schönheit von Grünanlagen besser zu verstehen, unternimmt er mit Gleichgesinnten auch Reisen, etwa zum Tadsch Mahal nach Indien oder zur Alhambra im spanischen Granada.

Hafenromantik mit Hanomag L28, Baujahr 1955. Für Hannover-Gin-Gründer Joerma Biernath ist der Oldtimer auch ein Bekenntnis zur regionalen Industriegeschichte. Der Großtransporter L28 wurde von 1950 bis 1960 in Hannover gebaut. Die Nutzfahrzeugsparte der Hanomag-Henschel Fahrzeugwerke wurde 1971 von der damaligen Daimler-Benz AG übernommen. So gesehen ist der Hanomag L28 ein Urahn des heutigen Mercedes-Benz Sprinters.

Vergessene Räume und Aromen.

Für Biernath ist Hannover Gin ursprünglich auch eine Art Gartenprojekt. Die Schnapsidee, wenn man sie so nennen mag, entstand bei Ausflügen durch die Stadtlandschaft. Dort, wo es sie noch in ihrer unentdeckten Wildheit gibt – in Brachen und Randgebieten, im „Waste Land“ zwischen Häusern und Fabriken – möchte Biernath auf das Schöne aufmerksam machen, das auch an solchen Orten zu finden ist oder dort wachsen kann: Pflanzen, deren Aromen es wert sind, dass sie wiederentdeckt werden.

Und so entstand dann auch die Idee. „Wir wollen Flächen, die brach liegen, aktivieren. Der Antrieb ist, Räume wieder begehrenswert zu machen“, so Biernath. Und das tut er, indem er und seine Mitstreiter in und um Hannover auf Kräuter- und Aromensuche gehen, damit aus ihnen ein geschmackvoller Gin entsteht. Die Pflanzensucher werden aber nicht nur auf den Brachflächen fündig, auch im Stadtwald und an den Ufern des Maschsees wächst Aromareiches. Darüber hinaus hat das Team von Hannover Gin in einer Baulücke eine Reihe von Feigenbäumen und Lavendel angepflanzt, und auf dem Dachgarten der Destillerie am Weidendamm 20 wachsen weitere Kräuter und Gewürze.

Regionaler Gin aus Hannover.

Für den Geschmack des Gins werden die frisch gesammelten Botanicals um edle Zutaten von überall auf der Welt ergänzt. Die sogenannte Hannover Botanical Library umfasst laut Biernath über 200 Zutaten. Bei der Gin-Produktion werden die Botanicals über Nacht im Kessel in Alkohol und Wasser eingelegt. Am nächsten Tag wird der Behälter angeheizt und zusätzlich im oberen Bereich des Kessels ein Korb mit weiteren Pflanzen eingelegt. Der aufsteigende Dampf durchströmt den Korb, nimmt die Geschmacksstoffe und ätherischen Öle auf und bringt so ihre Aromen in den Destillations­prozess mit ein.

Gärtner und Gin-Hersteller – Joerma Biernath will mit Hannover Gin auch auf die Aromenvielfalt seiner Heimat hinweisen.

Über den Atlantik und zurück.

Bei den Gin Masters 2019 wurde der Hannover Gin Rooftop Garden bei der Blindverkostung in der Kategorie London Dry mit Silber ausgezeichnet. Der exklusive Hannover Gin Atlantic Crossing erhielt sogar die Prädikate Gold und Master. Der 62 Prozent starke Atlantic Crossing hat sein Aroma auf einem Frachtsegler aus dem Jahr 1920 verfeinern können. Biernath und seine Mitstreiter haben im niedersächsischen Elsfleth je ein Fass Wodka und ein Fass Gin an Bord der Avontuur gehievt, bevor die hochprozentige Fracht auf die Reise ging.

Ob nun der 13.000-Meilen-Törn für den Aromengewinn verantwortlich ist oder ob es allein die Lagerung im Whiskyfass war, ist umstritten. „Wir haben es gemacht, weil wir Bock darauf hatten“, so Biernath. „Es ist schon ein Unterschied, denn auf dem Segler schaukelt der Inhalt permanent, man passiert verschiedene Klimazonen, du hast eine salzige Umgebungsluft, all das gibt es in einem Keller nicht.“ Und eine schöne Geschichte ist es auch – die raren Atlantic-Crossing-Gins sind aufgrund der Nachfrage schon jetzt kräftig im Preis gestiegen. Vermarktet werden die Produkte von Hannover Gin unter anderem im im Destillen-Shop am Weidendamm und im eigenen Online-Shop sowie in ausgewählten Gin Stores.

Von der Bohne bis zur Tafel.

Bean-to-Bar, also von der Bohne bis zur Tafel, ist die aufwendigste Art, Schokolade herzustellen. Es ist aber auch die Methode, bei der sich der Geschmack am besten steuern lässt. Kein Wunder also, dass Hannover Gin in seiner Schokoladensparte auf diese aufwendige Methode setzt.

„Wenn wir die Botanicals aus der Destille nehmen, duften sie so herrlich. So entstand die Idee, ihr Aroma auch für eine eigene Schokolade zu nutzen“, erklärt Biernath. Die Kakaobohnen beziehen die Hannoveraner aus Jamaika, Java und Papua-Neuguinea, genauer gesagt von einer Insel, die im Englischen New Hanover heißt. Kakaobohnen von einer ehemaligen deutschen Kolonie zu beziehen ist typisch für Biernath, der einen Riesenspaß daran hat, unterschiedliche Geschichten miteinander zu verbinden. An den nächsten Geschichten wird schon gearbeitet: Biernath träumt von einer Reise mit Gin- und Wodkafässern quer durch Russland. Worum es ihm dabei geht? Menschen zu treffen, Produktionsweisen kennenzulernen und nach alten Pflanzen zu suchen.

Hannover Gin.

Weidendamm 20
30167 Hannover

Fotos: © Hannover Gin