Mercedes-Benz

Flugsimulator Airbus A320.

23. Oktober 2019

Abheben mit Fun-Faktor.

Für Flugfans das Größte: einmal im Cockpit einen Airbus steuern oder eine Boeing in die weite Welt fliegen. Dafür muss man nicht mal ausgebildeter Pilot sein. Der Flugsimulator macht’s möglich. Wir haben es ausprobiert. Fun-Faktor: 100 Prozent.

„Liebe Passagiere, willkommen an Bord unseres Airbus A320 auf dem Flug nach Hannover. Hier spricht Ihr Kapitän. Machen Sie sich auf ein Abenteuer gefasst, denn ich sitze zum ersten Mal am Flightstick!“ Mit der Begrüßung der imaginären Passagiere ist der leichteste Teil des Flugs im Neustädter AeroSpace Center (NASC) schnell absolviert. Jetzt wird es ernst. Rechts neben mir auf dem Platz des Co-Piloten sitzt Matthias Teubner, Juniorchef der Teubner Industrie-Elektronik, die die komplette Cockpit-Instrumentierung dieses Simulators entwickelt und realisiert hat. Er ist ein alter Hase am Steuer des A320, hat Hunderte Stunden Erfahrung und versucht, mich in einem Crashkurs fit zu machen für die Rolle des Piloten. Ohne ihn wäre ich als Laie im Gewirr der vielen Displays, Schalter und Regler verloren.

Instruktor Matthias Teubner hat reichlich Flugerfahrung im Simulator des A320.

Das NASC zählt zu den größten semiprofessionellen Simulatorenzentren in Deutschland und bietet neben einem Airbus-A320-Cockpit mit Passagierkabine und dem Cockpit einer Boeing 737 auch einen Tower mit 360-Grad-Rundumsicht. Professionelle Piloten nutzen diese Trainingsmöglichkeiten ebenso wie Firmen bei Teambuildings, Tagungen und Kundenveranstaltungen oder Privatgruppen für Geburtstage und Erlebnisevents. Immer wieder finden sich auch Patienten mit Flugangst ein, die hier lernen, mit der Cockpit-Perspektive ihre Panik zu kontrollieren.

Das Primary Flight Display (links) und das Navigationsdisplay im Cockpit des Airbus A320.

Matthias Teubner deutet auf das Primary Flight Display, das wichtigste Instrument im Cockpit des A320. Es zeigt Höhe, künstlichen Horizont, Geschwindigkeit, Steigrate, Drehrichtung und Kurs des Flugzeugs. Daneben informiert das Navigationsdisplay über die Flugroute und die Wendepunkte. Normalerweise erhalten Laien eine umfassende Einführung in die Instrumentierung und die Funktionen. Ich belasse es bei einer Kurzschulung und will endlich fliegen! Meine linke Hand greift den Flightstick, mit dem ich den Airbus steuere. Rechts, links, steigen, sinken – das Flugzeug folgt meinem Befehl, bis ich das Manöver mit einem Gegenimpuls beende. Die rechte Hand liegt auf dem Throttle, dem Schubhebel. Damit wäre ich in der Realität Herr über die beiden Turbo-Fan-Triebwerke mit je 118 kN Leistung – was umgerechnet auf normale Motoren rund 25.000 PS entspräche.

Mit dem Schubhebel beim Airbus A320 ist man Herr über 25.000 PS.

Die Stellung für Vollgas heißt hier TOGA wie „Take Off/Go Around“ fürs Starten beziehungsweise Durchstarten. Anschließend werden wir mit CL wie „Climb“ im Steigflug unsere Reiseflughöhe von etwa 34.000 Fuß erreichen – das sind rund 10.300 Meter. Schubregler und Instrumentierung sind komplexe Bauteile. Solche elektronischen und elektromechanischen Komponenten für unterschiedlichste Anwendungen sind die Spezialität von Teubner Industrie-Elektronik. Kunden in aller Welt vertrauen bei Einzelstücken oder Kleinserien auf die Planung, Entwicklung und Fertigung des Unternehmens aus Neustadt bei Hannover. Qualitätsanspruch: Null-Fehler-Toleranz. Ein Produktbereich sind Simulatoren für Flugzeug- und Hubschrauber-Cockpits.

Simulator mit 32.000 Flughäfen.

Wir rollen los. Vor den Fenstern über dem Dashboard setzt sich der Flughafen Innsbruck in Bewegung. Mein Fluglehrer hat INN wegen der fliegerisch anspruchsvollen Lage im Bergkessel und des grandiosen Alpenpanoramas empfohlen. Wir hätten aber auch jeden anderen der weltweit 32.000 Flughäfen wählen können, die Software des Simulators beherrscht sie alle. Welcher ist der schwierigste? „Martinique – wegen der Lage direkt am Strand.“ Über die Taxiways rollen wir zur Startbahn. Ohne meinen Co-Piloten würde ich die nie finden. Doch dann stehe ich am „Point of no Return“. Throttle auf TOGA, los geht’s! Die Triebwerke heulen auf. „Nicht zu steil starten“, lautet der letzte Rat von Matthias Teubner. „Maximal zehn Grad, sonst schrappt das Heck am Boden.“ Der Simulator kann mit dem statischen Cockpit das Rumpeln des Fahrwerks, den Druck in den Sitz und die steigende Nase beim Abheben zwar nicht simulieren. Dennoch stellt sich angesichts des realistischen Blicks aus den Cockpitfenstern sofort ein authentisches Fluggefühl ein. Der Alpenkamm bleibt unter uns. Wir steigen ins Himmelblau.

Airbus A320.

TypKurz- und Mittelstreckenflugzeug
Erstflug1987
Passagierkapazität150 bis 180
Reichweite6.300 Kilometer
Maße37,57 Meter Länge, 11,76 Meter Höhe,
35,80 Meter Spannweite
Bislang gebaute Stückzahlca. 9.000

„100 Prozent A320 und 100 Prozent Teubner“.

Nach Anweisung des Instruktors betätige ich ein paar Schalter. Da die für den Flugbetrieb aufwendig zertifizierten Original-Komponenten extrem teuer sind, werden auch in professionellen Trainingscentern Nachbauten eingesetzt. „Funktion, Optik und Haptik müssen allerdings in allen Belangen der Original-Cockpit-Ausstattung entsprechen“, erklärt Unternehmensgründer und Seniorchef Siegfried Teubner. Er ist stolz, dass Profipiloten die Teubner-Komponenten in Sachen Taktilität, also dem Gefühl bei der Berührung und Bedienung, als absolut echt bewerten. „Unser Simulator ist 100 Prozent A320 und 100 Prozent Teubner“, sagt der Privatpilot, Flugfan und Hobbyastronom. Als das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Braunschweig das Cockpit für einen A320-Simulator bestellte, ließ er 2014 gleich einen zweiten bauen, um damit sein eigenes AeroSpace Center auf dem Firmengelände auszustatten. „Ein Leistungsbeweis unseres Unternehmens. Wir machen es, weil wir es können – und weil ich technikverrückt bin.“

Siegfried Teubner (links) ist Gründer der Teubner Industrie-Elektronik und hatte die Idee, am Unternehmensstandort in Neustadt bei Hannover das NASC zu bauen. Sein Sohn Matthias Teubner ist im Unternehmen für Produktion, Digitalisierung und Ausbildung verantwortlich und betreut das semiprofessionelle Flugsimulationszentrum.

Anfängermodus verzeiht grobe Patzer.

Den Start habe ich mit Unterstützung hinbekommen, jetzt wäre der Zeitpunkt, die Navigation auf Autopilot umzustellen und etwas zu entspannen. Oder in der Simulation ein paar Notfallmanöver zu trainieren, was den Erlebnis-, aber auch den Stresslevel noch mal deutlich erhöhen würde. Allerdings hat Matthias Teubner ein Einsehen. Er drückt die Pause-Taste. Was im echten Flugzeug natürlich nicht geht, ist im Simulator möglich. Wir springen vor zur Landung in Hannover. Vor uns taucht das Steinhuder Meer auf, am Horizont erscheint der Flughafen in Langenhagen. Schub verringern, Landeklappen ausfahren, eine Kurve zur Einflugschneise fliegen, die Flugzeugnase Richtung Landebahn drücken. Matthias Teubner lässt mich gewähren – obwohl wir gerade auf Crashkurs fliegen. Die eingesetzte Software Prepar3D von Lockheed Martin ist der Industriestandard in der Pilotenausbildung, verzeiht im Anfängermodus aber auch meine groben Patzer und lässt uns sicher landen. In der realistischen Simulation für Profis oder erfahrene Hobbyflieger hätten meine Manöver dagegen zum Absturz geführt. Zum Piloten tauge ich also (noch) nicht, allerdings macht für einen Anfänger wie mich der Abstecher in den Himmel auch so riesigen Spaß.

NASC- Neustädter AeroSpace Center    

Ernst-Abbe-Ring 17a
31535 Neustadt am Rübenberge
Teubner Industrie-Elektronik GmbH
Otto-Lilienthal-Straße 15–18
31535 Neustadt am Rübenberge

Fotos: © Jörg Sänger, © Airbus Industries, © Teubner Industrie-Elektronik